Offener Brief an Herrn El-Mogaddedi

Sehr geehrter Herr El-Mogaddedi,

Kürzlich flatterte mir Ihr offener Brief an Frau Merkel ins Haus, der, wie eine kurze Recherche im Internet ergab, ja bei einigen meiner Landsmänner und -Frauen auf einigen Anklang stieß. Ich selber möchte diesen nun einmal zum Anlass nehmen, meinen Senf zu den aktuellen Geschehnissen in Nahost dazuzugeben, schlicht und einfach weil mir die Heuchelei mit der Sie und Ihresgleichen auf Gesinnungsaustausch mit gutmenschelnden Europäern aus sind, gehörig auf die Nerven geht.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
lassen Sie mich vorweg sagen, dass ich Ihnen diesen Brief aus grosser Sympathie für
Deutschland schreibe, ein Land in dem ich seit 53 Jahren mit meiner Familie lebe.

Am 18.03.2008 haben Sie in einer Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset, im
Namen der deutschen Bundesregierung erklärt, dass die Sicherheit Israels Teil der
Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland sei.
Der Soziologe Professor Moshe Zimmermann hat die in Ihrer Rede zum Ausdruck
gebrachte Haltung der Bundesregierung zum Staat Israel als eine
“befindlichkeitsgeschwängerte Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus über ein
fetischisiertes »Israel«-Bild“ beschrieben.

Herzlichen Glückwunsch! Da bringen Sie gleich den Quotenjuden ins Spiel, der in psychologisierendem Fachjargon das sagt, was sie denken und vielleicht sogar meinen, nicht sagen zu dürfen: Die Staatsräson Deutschlands beruhe auf psychologischen Befindlichkeiten, die Sie – als Mediziner – zu durchschauen glauben. Und, na klar, einige der so trefflich analysierten klopfen Ihnen anerkennend auf die Schulter, schließlich gilt es sich vom Ballast der Vergangenheit zu befreien, denn man soll doch Israel immerhin öffentlich kritisieren können, so wie jedes andere Land, das sei doch alles schon so lange her und ohnehin seien wir nicht dafür verantwortlich zu machen und gerade wir sollten doch nicht wegschauen und so weiter und so fort.

Diese deutliche Kritik an der Bundesregierung wurde meines Erachtens durchaus
berechtigt geübt, wie sich in diesen Tagen an der Haltung der deutschen Bundesregierung
zum Angriff Israels auf Gaza ablesen lässt.
Die Angriffe Israels auf Gaza zum Anlass nehmend, hat die Bundesregierung die
Öffentlichkeit am 29.12.2008 wissen lassen, dass die Verantwortung für die Entwicklung in
der Region „eindeutig und ausschließlich“ bei der Hamas liege, darin sei sie sich mit dem
Ministerpräsidenten Israels einig.

Soso, die Tatsache dass Israel über 8000 Raketen und ein mit erneutem Raketenhagel seitens der Hamas beendetes Waffenstillstandsabkommen als Anlass zum Gegenangriff nimmt kann man ihres Erachtens nach also nur dann nachvollziehen, wenn man von einem Schuldkomplex beladen ist und die Israelis, deren Täterrolle für Sie ausser Frage zu stehen scheint, fälschlicherweise von jeder Schuld freispricht.

Offensichtlich hat die deutsche Bundesregierung diese uneingeschränkte und
bedingungslose Solidarität mit Israel formuliert, um auf diese Weise der oben erwähnten
Staatsräson für die Bundesrepublik eine Konsequenz in der politischen Praxis zu
verleihen.

Nein, niemand hat behauptet die Solidarität mit Israel seitens Deutschland sei uneingeschränkt
und bedingungslos. Frau Merkels Äusserung bezog sich auf einen konkreten Anlass, und dieser war es, ich kann mich nur wiederholen, dass Israel aus dem Gazastreifen, wohlgemerkt nachdem es sich daraus zurückgezogen hatte, Jahr für Jahr mit einem Dauerregen aus Qassam-Raketen leben musste. Ist das so schwer zu verstehen? Wenn aus, sagen wir mal, El Salvador, 8000 Raketen auf Honduras niederprasseln würden, wäre Frau Merkel eventuell geneigt sich bezüglich einer eventuellen Militärkampagne seitens Honduras ähnlich zu äussern.Packen Sie also Ihre Gewissenskeule ruhig wieder ein.

Bitte erlauben Sie mir Ihnen in Ihrer Eigenschaft als höchste Vertreterin unserer
Bundesregierung und Ihrem Kabinett mit klaren Worten zu widersprechen, im Interesse
der Bundesrepublik, wie auch im Interesse der Menschen, von denen viele auch in
Palästina, wie auch in anderen Ländern der Muslimischen Welt, vor dem seit
Jahrhunderten in Europa verwurzelten Antisemitismus, immer eine Zuflucht gefunden
haben.

Ich bezweifel einfach mal dass Sie sich rausnehmen können, im Interesse der Juden (die meinen sie doch, oder?) zu sprechen, auch wenn sie natürlich gerne auf Ihre Moshe Zimmermanns verweisen können.

Ihre Regierung legt Wert darauf, „dass bei der Beurteilung der Situation im Nahen Osten
Ursache und Wirkung nicht vertauscht werden“ und „Ursache und Wirkung nicht in
Vergessenheit geraten“, aber dann muss die Bundesregierung sich auch im historischen
Kontext an der von ihr aufgestellten Maxime messen lassen. Die deutsche Regierung
vertauscht diese Zusammenhänge in höchst bedenklicher Art und Weise.
Mit der einseitigen Parteinahme für die menschenverachtende, aggressive und
kriegstreibende Politik des Triumvirats Olmert – Barak – Livni, eine Politik, die dem Staat
Israel weder mittel- noch langfristig nützt, sondern schaden wird, begeht die
Bundesregierung einen unerträglichen, gegen die Palästinenser gerichteten
Zivilisationsbruch.

So, dass war viel Geschwurbel ohne Inhalt. Die Regierung Deutschlands müsse sich an der Maxime messen lassen, dass Ursache und Wirkung nicht in Vergessenheit geraten, richtig?
Ich hoffe, dass es uns beiden erspart bleibt, dass Luxemburger oder Dänen von der Vernichtung Deutschlands schwadronieren und uns gelegentlich ein paar Spielzeugraketen zur Drohung senden. Sollte es jemals dazu kommen, wäre ich der erste, der sich wünschen würde, dass meine Regierung so auftritt, wie Olmert, Barak und Livni, denen die Sicherheit ihrer Bürger im Gegensatz zu den lustigen Spielzeugraketen-aus-Wohngebieten-Abschiessern etwas bedeutet. Und nebenbei, unter im dicht bevölkerten Gazastreifen äusserst schwierigen Bedingungen durch „surgical Strikes“ versuchen, die Anzahl der zivilen Opfer so gering wie möglich zu halten, was gerade im nahen Osten bei Militäroperationen höchst selten ist (oder haben sie etwa der Bundesregierung auch einen Brief geschrieben, als sie erfahren haben wie sich die Syrer 1982 in Hama aufgeführt haben?).


Die Bundesregierung verstösst damit gegen die universellen Menschenrechte, weil sie
deren Einhaltung von Israel nicht einfordert. Menschenrechte besitzen eine nich
qualifizierbare Gültigkeit, unabhängig von Rasse, Geschlecht und religiöser Zugehörigkeit.

Ersteinmal werden die universellen Menschenrechte ausgerechnet von den islamischen Ländern nicht anerkannt, das aber nur nebenbei.
Sie aber unterstellen der Bundesregierung ernsthaft, sie verstoße gegen die universellen Menschenrechte, weil sie deren Einhaltung von jemandem nicht einfordere? Liegt das eventuell daran, dass dieser jemand Israel ist? Weil Sie sich nämlich einen Scheissdreck für Menschenrechtsverletzungen interessieren, die unter anderem in arabischen Ländern an der Tagesordnung sind, sondern es Ihnen und Ihren Gesinnungsgenossen einzig und allein darum geht, Israel an den Pranger zu stellen?

Diejenigen, die heute die Regierung Israels für den Tod von über 630 und die
Verstümmelung von über 2700 Menschen – Tendenz steigend- bei dem seit über sechs
Monaten (!) geplanten Angriff auf Gaza, das „größte Freiluftgefängnis der Welt“ (Bischo
Desmond Tutu), verantwortlich machen, haben längst erkannt, dass der Konflikt in
Palästina nicht auf ein paar, primitive von der Hamas auf die Städte Sderot und Ashkelon
abgefeuerten Geschosse zurück zu führen ist.

„Diejenigen“ sind bekannt. Diejenigen sind die, die sich nicht schämen, Israel für jeden Mißstand in Nahost verantwortlich zu machen. Diejenigen sind jedenfalls nicht sehr überzeugend, wenn sie etwas „erkannt“ haben was sie ohnehin schon immer reflexartig wiederholen.
Es ist regelrecht zum Kotzen, wie sie die „paar primitven Raketen“ der Hamas verharmlosen. Die wollen doch nur spielen, oder? Und die letzten sechs Monate hat die Hamas bekanntlich massiv zur Aufrüstung genutzt.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen, der Tod von israelischen Zivilisten durch Kassam-
Projektile ist durch nichts zu rechtfertigen!

Nein, ich verstehe sie durchaus richtig. Wenns denn ein paar mehr tote Juden gewesen wären, dann wärs ja was anders, aber die können sich doch alle ganz gut in ihren Bunkern verstecken und ohnehin würde die Hamas sofort mit den Raketen aufhören, wenn – ja wenn die Juden sich doch endlich ins Mittelmeer stürzen würden.

Aber der mittlerweile zweite Krieg, den die Regierung Olmert in Gaza seit 2006 durchführt,
wie auch die Schaffung eines seit über zwei Jahren real existierenden „Ghetto Gaza“,
dessen Bevölkerung man einer umfassenden Belagerung aussetzt, ist ebenfalls durch
nichts zu entschuldigen!

Eine „umfassende Belagerung“ ist tatsächlich das harmloseste, was ich meinem Nachbarn, der Tag und Nacht an nichts anderes als an meine Vernichtung denkt und seine Kinder systematisch zu Märtyrern erzieht, die es als höchstes Ziel anstreben, in dem Kampf der zu meiner Vernichtung führen soll, zu fallen, angedeihen lassen kann. Zumal, und das ignorieren sie geflissentlich, die Blockade, die sie Belagerung nennen, ja auch von Ägyptischer Seite stattfindet. Wie wäre es zur Abwechslung also mal mit ein paar harmlosen Raketen aus Gaza Richtung Kairo? Malen Sie sich ruhig einmal aus, wie die ägyptische Armee auf nur eine solche Qassam reagieren würde.

Die westliche Wertegemeinschaft kann sich nicht mit vorwurfsvollen Verweis auf die
Hamas stillschweigend auf ein unterschiedliches Richtmaß verständigen, ohne ihre
Glaubwürdigkeit nachhaltig und grundsätzlich in der Muslimischen Welt zu verlieren.

Auch wenn ich Ihnen abnehme, dass sie der deutschen Sprache mächtig sind. Etwas weniger Geschwafel hätte dennoch vollkommen ausgereicht. Was wollten Sie nochmal sagen?

Die explosive Situation, die in Gaza existiert, ist nicht „ausschließlich und eindeutig“ das
Produkt der Hamas-Regierung. Achtzig Prozent der Menschen, die in Gaza leben, sind
Personen und deren Nachkommen, die im Jahr 1948 bei der Staatsgründung Israels in
den Gazastreifen geflohen sind, auch aus ehemals arabischen Städten wie Ashkelon, auf
arabisch „Askalaan“ genannt .
Die Mehrheit der Menschen in Gaza stammt nicht aus Gaza, sondern sie sind Opfer von
Vertreibung!

Ich will Ihnen mal was sagen. Ich, bzw. meine Vorfahren stammen aus Ostpreussen, aus Klaipeda, zu deutsch „Memel“ genannt. Letztes Jahr war ich dort in Urlaub und habe nette Menschen kennengelernt. Ob die auch so nett zu mir gewesen wären, wenn ich vorher ein paar Qassams nach Litauen geschickt hätte?
Es gab unzählige Vertreibungen im 20. Jahrhundert. Und nun raten Sie einmal, wer die einzigen Nachfahren von Vertriebenen sind, die heute noch in Lagern sitzen und sich eine konstruierte, auf der Flucht ihrer Vorfahren beruhende Identität, zusammengeschustert haben? Und damit Ihren Status als „Leidende“ vor der Weltgemeinschaft zementieren?

Die Menschen von Gaza leben seit 1967 gemäß internationalem Recht unter israelischer
Besatzung, daran hat auch der Rückzug der Siedler und der israelischen Armee effektiv
nichts geändert.

Da muss wohl schon die Vernichtung des Zionistischen Krebsgeschwürs herhalten, oder wann ist Ihrer werten Meinung nach die „israelische Besatzung“ beendet?

Das Bild, dass uns westliche Medien über Gaza zu vermitteln suchen, entspricht nicht den
historischen Gegebenheiten und Folgen. Gaza ist nicht ein Slum, in dem eine Gruppe von
bärtigen, angeblich anti-semitischen, muslimischen Extremisten von heute auf morgen
verrückt geworden sind, …

sondern? Und da ich mir ein authentisches Bild machen will verzichte ich auf westliche Medien und beziehe meine Informationen direkt von Palästinensischen Medien, z.B. hier, hier oder hier.

…die jetzt „zu Recht“ seitens des angeblich „friedliebenden“ und
„rechtsstaatlichen“ Israel zu Staub zerbombt werden dürfen, während die Hüter der
Menschenrechte im Westen „das Recht Israels auf Selbstverteidigung“ zitierend
zuschauen – als ob dieses ein absolutes, nur dem Staat Israel zustehendes Recht sei.

Zu Staub zerbomben? Haben Sie eine Vorstellung, wie Gaza heute aussehen würde, wenn Israel sich wirklich so verhalten würde, wie sie es unterstellen? Wie es für die Armeen der arabischen Länder selbstverständlich wäre und immer war, nämlich Flächenbombardements statt chirurgischer Zielgenauer Operationen. Ja, natürlich gibt es auch dabei zu viele zivile Opfer.

Wie viele Tote gab es gleich beim schwarzen September 1970 in Jordanien?
Oder beim Massaker in Hama in Syrien 1982?
Im Libanesischen Bürgerkrieg, im Algerischen Bürgerkrieg, im Bürgerkrieg im Jemen?
Wie viele Irakis fielen im Irakisch-Iranischen Krieg? Und wie viele Palästineser wurden Opfer interner Rangeleien während den beiden Intifadas oder während des Bürgerkriegs 2007 zwischen Hamas und Fatah? Haben Sie sich jemals dafür interessiert?
Nein, natürlich nicht!

In Gaza leben in einem Gebiet so groß wie die deutsche Hansestadt Bremen Opfer einer
historisch belegbaren „ethnischen Säuberungspolitik“ seitens Israels, so der israelische
Historiker Dr. Ilan Pappe.

Was vor allem eines belegt: in Israel stellt es kein Problem dar, die eigene Geschichte kritisch zu sehen.

Allein im ersten Quartal des Jahres 2008 zerstörte die Armee Israels in Gaza 289 Häuser
und tötete 247 Menschen, darunter 42 Kinder und 15 Frauen. Sollte Zurückhaltung nicht
anders aussehen?

Und wie viele israelische Zivilisten sind in der gleichen Zeit nur deswegen nicht ums Leben gekommen, weil ihnen ihre Regierung Raketenfrühwarnsysteme und Bunker eingerichtet hat, deren Besuch für die Einwohner von Sderot über Jahre alltagsbegleitend war? Aus dem Datenbestand vom Al-Mezan Center for Human Rights geht jedenfalls nicht hervor, wie viele der 247 Menschen in flagranti beim Raketenabschuss auf Israelischs Staatsgebiet erwischt wueden.


Die Ursachen des gegenwärtigen Konfliktes dürfen daher nicht in der Situation des Gazas
von heute und der palästinensichen Wahlen von 2006 gesucht werden. Gaza ist Symptom
einer seit über 60 Jahren andauernden katastrophalen und verfehlten Nahostpolitik und
Regionalpolitik des Westens respektive Israels, die die Palästinenser zur Geisel
genommen hat und, die die Palästinenser für das vergangene Unrecht, dass Europa den
Menschen jüdischen Glaubens angetan hat, rücksichtslos bluten lässt.

Falsch! Gaza ist Symptom dafür, dass ein Großteil der palästinensischen Araber 60 Jahre nach der Gründung Israels immer noch nicht bereit ist, sich mit der Realität zu arrangieren sondern es vorzieht, dem Hass auf die Juden höhere Priorität einzuräumen als der Liebe zu den eigenen Kindern.


Die von Ihrem Außenminister Steinmeier angekündigte Erhöhung der humanitären Hilfe für
die Menschen in Gaza ist zu begrüßen, aber sie ist dennoch Ausdruck einer fehlgeleiteten
Nahost-Politik. Diese vermittelt den Eindruck, man könne einem Volk von mittlerweile mehr
als neun Millionen Palästinensern dauerhaft das natürliche und unveräußerbare Recht auf
Menschenwürde und sichere Heimstätte nehmen lassen und durch eine permanente
humanitäre Hilfe ersetzen. Ist dieser Zustand nicht erniedrigend?
Diese nicht nur von Deutschland praktizierte politische Haltung verlängert doch nur in
kunstvoller Weise das Leid, das Elend und die Perspektivlosigkeit von hier 1.5 Millionen
Menschen in Gaza, weil man aus einem falschen Geschichtsverständnis heraus nicht
gewillt ist, im Fall von Palästina generell Gerechtigkeit und Fairness zu üben.

Und hier gebe ich Ihnen ausnahmsweise Recht. Kein Volk der Erde hat auch nur annähernd so viel Entwicklungshilfe pro Kopf erhalten wie die Palästinenser (wovon ein Großteil wie Ihnen bekannt sein dürfte auf dem Privatkonto eines gewissen Jassir Arafat gelandet ist). Die permanente humanitäre Hilfe trägt nicht gerade dazu bei, den eigenen Opfermythos zu überwinden und wenn es nach mir ginge, würde ich diese sofort einstellen. Ich würde mich dagegen freuen, in Zukunft mehr in Palästina hergestellte Waren auf europäischen Märkten erwerben zu können. Wo wurde das angeblich fehlende Geld für infrastrukturelle Upgrades in den letzten Jahren denn nochmal so für ausgegeben?

Die oft bemühte „westliche Wertegemeinschaft“ versagt mit Blick auf Palästina auf ganzer
Linie, sie verliert sich in Lippenbekenntnissen; in diesem Punkt trifft sie sich
bedauerlicherweise mit vielen korrupten Staatslenkern der Arabischen Welt.

Eben behaupteten Sie noch, der Westen leiste immerhin humanitäre Hilfe, jetzt sind es auf einmal nur noch Lippenbekenntnisse.

Professor Moshe Zimmermann hat dies in den folgenden Sätzen zusammengefasst, deren
Lektüre ich jedem dringend empfehle, bevor wieder über „Ursache und Wirkung“
gesprochen wird:
„Wer noch immer nicht den Unterschied zwischen Judentum, Zionismus und Israel,
mithin zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Israel-Kritik begriffen hat, wird
zwangsläufig miteinander vermengen, was auseinander gehalten gehört. Israel führt einen
erbitterten Kampf gegen Hamas und Hezbollah; dieser hat seinen historischen Ursprung
sowie seine aktuelle Begründung in der nahöstlichen Geopolitik und im israelisch-
palästinensischen Konflikt, nicht im Antisemitismus als solchem, schon gar nicht in einem
dem abendländischen vergleichbaren Antisemitismus.“

Und in diesem Zusammenhang kann ich nur wiederholen: Die Solidarität mit Israel hat ebensowenig mit historischer Schuld seitens Deutschland zu tun, sondern ist die Solidarität eines freien Landes mit einem anderen freien Land welches durch Neid, Hass, Dummheit und Terrorismus in seiner Existenz bedroht ist.

Wenn die Bundesregierung Ursachen anspricht, dann darf sie es sich bitte nicht bequem
machen und nach der nächst besten Erklärung greifen, denn diese Selbstberuhigung stell
eine Beleidigung des allgemeinen Menschenverstandes dar! Die französische Regierung
hat sich im aktuellen Krieg Israels gegen Gaza klüger verhalten, dies sei nur am Rande
vermerkt.
Wenn Ihnen als höchste politische Repräsentantin unseres Landes und unserer
Regierung wirklich an einer Lösung des Konfliktes in Palästina gelegen ist, dann fallen Sie
der israelischen Regierung in den Arm, deren Verteidigungsminister Ehud Barak in seinen
eigenen Worten einen “totalen Krieg bis zum bitteren Ende“ führen will.
Diese nihilistische Sprache eines israelischen Politikers, dem die Türen zu den politischen
Schaltzentren des Westens offen zu stehen scheinen, lässt mich schaudern, weil aus
seinen Worten der unsägliche Geist einer furchtbaren Vernichtungsideologie aufsteigt.


Heuchler! Wenn irgendeiner im Nahen Osten ganz unverhüllt von Vernichtung schwadroniert, so sind es Hamas, Hisbollah und Ihre Iranischen Unterstützer.

Dass Israels Verteidigungsminister Ehud Barak und Aussenministerin Tsipi Livni über die
frisch angelegten Friedhöfe Gazas auch einen Kampf um die Wählergunst des
israelischen Elektorates führen, ist eine politische Praxis, die bei den Vertretern unseres
Landes doch zumindest Ablehnung hervorrufen sollte.

Anscheinend, das haben Sie durchaus richtig verstanden, hat eine Mehrheit der Israelis keine Lust mehr, laufend Zugeständnisse und Rückzüge zu machen nur um zum Dank Raketen um die Ohren geballert zu kriegen.

Diese Kriegspolitik Israels hat sich längst von der Einsicht des ehemaligen
Premierminister des Landes, Jitzchak Rabin, verbschiedet, von dem nachfolgendes Zita
aus dem Jahr 1993 aus Anlass des Osloer Abkommen stammt:
„Wir sind dazu bestimmt, auf dem gleichen Boden, auf der gleichen Erde
zusammenzuleben. Es gab zu viel Blut und zu viele Tränen. Es reicht!“

Hat das nicht Mahmud az-Zahar gesagt? Nein, natürlich nicht!

Für diese Haltung musste er am 4. November 1995 mit dem Tod bezahlen, getötet durch
die Kugeln, die ein jüdischer Terrorist auf ihn abfeuerte; er traf ihn tödlich, als er das „Lied
des Friedens“ sang.
Dreizehn Jahre später, am 4. November 2008 marschierten israelische Soldaten, zum
wiederholten Mal (!) während des Waffenstillstandes in Gaza ein, und erschossen,
verletzten und entführten mehrere Palästinenser, darunter auch Frauen.
Israel stellte mit dieser Verletzung der von Ägypten im Juni 2008 vermittelten Waffenruhe
endgültig die Weichen für den am 27.12.2008 ausgerufenen Krieg gegen Gaza, den man
den Namen „Gegossenes Blei“ gegeben hat; ein kaum zu überbietender und perfider
Zynismus, beruft sich dieser Name doch auf ein altes Lied, das Kinder (!) aus Anlass des
jüdischen Chanukka-Festes singen.

Tja, und dreimal dürfen Sie raten wer sich noch so alles nicht an den Waffenstillstand gehalten hat, und wie derjenige auf das Ende der Waffenruhe reagiert hat.

Der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft von Schleswig Holstein Professo
Rolf Verleger stellt aktuell und vollkommen zu Recht die folgende Frage:
„Gibt die Tatsache, dass wir europäischen Juden Opfer eines großen Unrechts
wurden, dem jüdischen Staat vor Gott und den Menschen das Recht, nun anderen
Unrecht zu tun? Das ist doch die Frage. Und da macht es sich Frau Merkel ein bisschen
einfach, wenn sie sagt, Israel hat immer Recht.“

Alibi-Jude Nr. 3, herzlichen Glückwunsch!
Dann zitiere ich eben mal meinen Lieblingspalästinenser Nizo:

„I‘m angry at people in my homeland for electing baboons who shoot rockets and then hide behind women and children. Hamas fosters a culture of death and destruction, not just for Israel but for us as well. Look what they did when Israel withdrew from Gaza, they didn‘t plant a single flower or tree or crop. All of this doesn‘t justify Israel’s killing of civilians but let’s speak honestly here, no army in the region would have cared for surgical strikes, if it was the Egyptian or Syrian armies, Gaza would have been completely flattened, like Hama.“

Mit der pauschalen Unterstützung für Israels Kriegspolitik hat die Bundesregierung dem
Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in der Muslimischen Welt großen Schaden
zugefügt und Israel einen gewaltigen Bärendienst erwiesen, wie die Zukunft leider zeigen
wird.

Auf das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in einer muslimischen Welt, in der die Menschenrechte permanent mit Füßen getreten werden, die aber so voller Doppelmoral ist, dass sie grundsätzlich nur dann aufschreit wenn einem Palästinenser von einem Israeli ein Haar gekrümmt wird und bei jedem anderen Scharmützel, von denen es weiss Gott insbesondere in der muslimischen Welt nicht gerade wenig gibt, sonst beharrlich schweigt, kann ich getrost verzichten.

Millionen von Deutschen haben staatliches Unrecht und Unterdrückung am eigenen Leib
erduldet und erlebt, auch aus diesem Grund hätte ich von der deutschen Bundesregierung
mehr politisches Fingerspitzengefühl und Weitsicht erwartet.

Millionen Deutscher Naivlinge haben keinen blassen Schimmer, was es heißt, sich als Volk in einer Nachbarschaft zu behaupten in der einem von allen Anrainern nichts als Tod und Verderben angedroht wird, und es trotzdem zu schaffen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aufrecht zu erhalten und auch in kriegerischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Vielleicht überdenken Sie und Ihre Minister die offizielle Haltung Deutschlands zu Israels
Krieg in Gaza noch einmal.
Mit freundlichen Grüssen
Obeidullah El-Mogaddedi

So lange Millionen Leute wie Sie mit einer einseitigen Parteinahme für die menschenverachtende, aggressive und
kriegstreibende Politik der Hamas hausieren gehen, wird es einen Israelischen Staat geben, der nicht verlernt, was es heisst, sich zu verteidigen.

Mit freundlichen Grüßen
Felix Rauch

Gaza vor dem Bombenhagel

Wenn kein Krieg ist, kann man hier gut leben“, sagt eine in Gaza lebende Deutsche. Und ich dachte immer, dass die Situation in Gaza so schlimm ist, dass man gar keine andere Wahl hat als tagtäglich Raketen auf Kindergärten in Sderot zu schicken.

In the 21th century…

nations don‘t invade other nations.

John McCain

Au clair de la lune

Schön, dass dieses Musterbeispiel einer glorreichen Unbildung ausgerechnet aus meinem Lieblingsnachbarland stammt. Da war wohl mal einer an der Grand École just zu dem Zeitpunkt krank, als man für die Astronomie-Klausur gepaukt hat. Il est foutu.

Freiwilliges Antwortschreiben

Die Initiatoren des Al-Quds-Tages haben mir tatsächlich geantwortet:

Sehr geehrter Herr Rauch,
Vielen Dank für das Interesse und die Nachfrage. Der Vorgeschlagene Friedens-Fahrplan sollte zur Diskussion gestellt werden. Aber am Ende sind es die Musliem, Christen und Juden in Palästina, die darüber entscheiden müssen. Nach unseren Informationen von den jüdischen Freunde, möchten viele aus Palästina auswandern, können oder dürfen es aber nicht! Diese Freiheit sollte man denen gönnen.

Mit freundlichen Grüßen
Quds-AG

Meine Antwort:

Sehr geehrte Quds-AG,

Vielen Dank für Ihre Email. Da mir bekannt war, das man im Schiitischen Iran freiwillig auf offen getragenes Haar, homosexuelle Handlungen, Ausübung des Bahai-Glaubens, Abfall vom Islam, Ehebruch, unzensiertes Internet und weitere Sündhaftigkeiten verzichtet, hatte ich zwischenzeitlich vermutet, die geplante Regelung der Auswanderung aus Palästina würde auf ähnliche geartete Freiwilligkeit zurückgreifen. Nun, da ich besser Bescheid weiss, werde ich mich in Zukunft auch bei uns in Deutschland für freiwillige Auswanderung einsetzen. Nach Informationen meiner islamischen Freunde möchten einige gerne in ihre Heimatländer auswandern, dürfen das aber nicht. Diese Freiheit möchte ich, inschallah, unter anderem der schiitischen Gemeinde von Herzen gönnen!

Mit freundlichen Grüßen
Felix Rauch

Freiwillige Auswanderung

Alle Jahre wieder findet in Berlin eine Demonstration zum sogenannten „Al-Quds-Tag“ statt, in Erinnerung an den Aufruf des Ayatollah Khomeinis zur „Befreiung“ Jerusalems. Damit ihr gespenstischer Aufmarsch nicht eines Tages doch noch von behördlicher Seite unterbunden wird, herrscht in den Reihen der Demonstrationsteilnehmer eiserne Disziplin. Für unfrewillige Komik sorgte nur einmal wieder der Versuch, auf einem Flugblatt die krude Ideologie in rechtskonformes Deutsch zu übertragen, besonders der Vorschlag, im Rahmen einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts würde „die freiwillige Auswanderung geregelt“. Da muss ich doch gleich mal bei der Schiitischen Gemeinde nachfragen, was man sich darunter vorstellt.

Sehr geehrte Schiitische Gemeinde,

Mit Interesse habe ich Ihr Flugblatt „Das Wort zum Qudstag“ gelesen. Im Rahmen Ihrer Vorschläge zur friedlichen Lösung des Nahostkonfliktes stach mir dann folgende Zeile ins Auge: „Die freiwillige Auswanderung wird geregelt“. In diesem Zusammenhang würde ich es mich doch interessieren, wie Sie sich die Regelung freiwilliger Auswanderung so im Detail vorstellen. Könnten Sie mir das beantworten?

Mit freundlichen Grüßen
Felix Rauch

Mal gespannt ob sich jemand von denen meldet.

On Zionism, Arabs and Democracy

Dieses Interview von Nizo, einem palästinensischen Blogger aus Quebec, fand ich so interessant, dass ich es jedem, der sich auf meinen Blog verirrt, zu Lesen nahelegen möchte:
On Zionism, Arabs and Democracy.

Südossetien ist Kosovo

Man hätte es ahnen können. Mit der Anerkennung des Kosovo entgegen dem Völkerrecht hat der Westen die Büchse der Pandora geöffnet und die Saat ist gerade im Nordkaukasus aufgegangen. Konsequent wäre es, jetzt Russland zuvorzukommen und die vier de-facto unabhängigen Republiken in der ehemaligen Sowjetunion, namentlich Südossetien, Abchasien, Nagorno-Karabach und Transnistrien staatlich anzuerkennen oder dieses zumindest in weiteren Verhandlungen als Option offenzuhalten. Auch die Anerkennung des Kosovo basierte auf der Unmöglichkeit, eine Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für eine erneute Serbische Kontrolle des Territoriums zu finden. Eine Rückkehr Aserbaidschans nach Karabach, Georgiens nach Südossetien und Abchasien sowie Moldawiens nach Transnistrien dürfte ähnlich unbeliebt und damit unrealistisch sein. Eine Anerkennung der Faktenlage mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen dürfte dabei insbesondere Russland einen Strich durch die Rechnung machen, das bisher als Schutzmacht agiert – freilich ohne Anerkennung seiner kleinen Vasallen – und damit seine Peripherie in permanenter politischer Instabilität hält. Wenn selbst Serbien nach dem Verlust seines Nationalheiligtums Kosovo nach guten Beziehungen zur EU strebt, sollte man den Groll Georgiens, Aserbaidschans und Moldawiens verschmerzen können. Auf das ganze Theater verzichten zu können und an der Völkkerrechtsgemäßen Unverrückbarkeit der Grenzen festzuhalten wäre sicherlich schöner. Dafür ist es seit der Unabhängigkeitserklärung und Anerkennung des Kosovo leider zu spät.

Studieren im Land des Aufgehenden Lächelns

Was das Bildungsverständnis betrifft scheinen sich die Ostasiatischen Länder ja nicht viel zu nehmen. Hauptsache man zeigt das man stressresistent ist und wahnsinnig viel Stoff unverdaut aufsaugen und reproduzieren kann. Wenn wir Pech haben ist das unsere Zukunft.

„Und wofür das alles? Für Weltklasse-Bildung? Für einen erweiterten Horizont? Kaum. Es ist eine Investition der Eltern in den Wohlstand der Kinder, denn für deren Zukunft zählt der Name der Uni oft mehr als das, was dort gelehrt wird. Der Unterricht an sogenannten Elite-Universitäten wie der Waseda erreicht besonders in den Geisteswissenschaften allenfalls deutsches Abiturniveau.“

Flüchtlingsproblem

Dass Israel seine Grenzen nicht für palästinensische Flüchtlinge öffnet, da diese nicht ganz unberechtig unter dem Generalverdacht stehen, eventuell politisch motivierte Straftaten zu begehen ist hinlänglich bekannt. Mittlerweile scheint – wie so oft -innerhalb der palästinensischen Community eine ähnliche Einstellung eingekehrt zu sein. Die PO-Regierung in der Westbank nimmt keine Leute aus dem Gaza Streifen auf.